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Digitale Souveränität

  • Thursday, Feb 13, 2020
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Was versteht man unter Datensouveränität?

Unter Datensouveränität versteht man, dass Menschen im Zeitalter der Digitalisierung und von Big-Data proaktiv Einfluss auf die Nutzung ihrer personenbezogenen Daten nehmen können. Im Gegenteil zum Abschottungs- und Privacygedanken geht es darum, dass Menschen befähigt werden, zu entscheiden, wo und von wem welche personenbezogenen Daten verwendet werden dürfen. Damit wird der übergeordnete Datenschutz um das Konzept der informationellen Selbstbestimmung ergänzt. NutzerInnen sollen in der „Daten-Welt“ die Kenntnisse und Instrumente erlangen, um ihr Handeln in Bezug auf ihre personenbezogenen Daten reflektieren und steuern zu können.

Die Datensouveränität kann als Teilgebiet der Digitalen Souveränität verstanden werden. Diese ist definiert als die Fähigkeit im digitalen Raum selbstbestimmt und souverän zu handeln und zu entscheiden. Die Digitale Souveränität fasst den Souveränitätsgedanken also etwas breiter auf, wohingegen die Datensouveränität sich auf den Umgang mit personenbezogenen Daten fokussiert. Bei beiden Begriffen steht jedoch die informationelle Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter im Vordergrund. In der Praxis werden die Begriffe daher häufig auch synonym verwendet.

Wie kann Datensouveränität erreicht werden und woraus setzt sie sich zusammen?

Die Datensouveränität kann in zwei fundamentale Komponenten unterteilt werden. Die erste Komponente ist die Datentransparenz. Nur wenn wir wissen und verstehen, wo und von wem personenbezogene Daten verarbeitet werden, können wir souverän und selbstbestimmt agieren. Leider wissen die wenigsten Menschen wie ihre personenbezogenen Daten von Dritten genutzt werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von fehlender Datenkompetenz. Allerdings ist es aktuell auch sehr schwer zu wirklicher Datentransparenz zu gelangen. Seit der DSGVO haben wir zumindest rechtlich die Grundlage geschaffen, mehr Einblick in die Nutzung unserer personenbezogenen Daten zu bekommen. Wirklich zugänglich ist das Thema Datenschutz dadurch aufgrund zahlreicher Paragraphen und komplexer Datenschutzerklärungen jedoch trotzdem nicht.

Auf Grundlage erlangter Datentransparenz folgt im Konzept der Datensouveränität die Datenkontrolle als zweite Komponente. Haben wir verstanden, wo und von wem unsere Daten verarbeitet werden, können wir aktiv Einfluss nehmen und souverän entscheiden, ob wir mit der Verarbeitung unserer Daten wirklich einverstanden sind. Auch dazu sind wir rechtlich gemäß der DSGVO befähigt.

Datensouveränität und Datenschutz als politisches Thema

Der Begriff der Datensouveränität ist im Kontext des Datenschutzes in den letzten Monaten auch verstärkt auf die politische Agenda gerückt. Einerseits steht dabei natürlich der Schutz der Privatsphäre der Bürger im Vordergrund. „Die Humanität unserer Gesellschaft muss auch in der digitalen Welt selbstverständlich bleiben“, sagte Kanzlerin Angela Merkel auf dem Digitalgipfel in Dortmund. Die DSGVO, welche am 25. Mai 2018 in Kraft getreten ist, hat bereits für viel Aufmerksamkeit gesorgt und die Position des Bürgers gestärkt. Gleichzeitig wurde das Bewusstsein für die Sensibilität personenbezogener Daten geschaffen und eine Art „Datensparsamkeit“ gepredigt. NutzerInnen sollten umso mehr darauf achten, wann und ob sie ihre personenbezogenen Daten wirklich mit Unternehmen teilen.

Mit den jüngsten Debatten steht dem Konzept der Datensparsamkeit jedoch in Form der Datensouveränität ein gegenteiliges Konzept gegenüber. Die Bundesregierung plant eine internationale Führungsrolle in der Entwicklung von Schlüsseltechnologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) einzunehmen und die Datenwirtschaft zu stärken. Aufgrund der wertvollen Erkenntnisse, die sich aus Daten gewinnen lassen, sind sie ein zentraler Erfolgsfaktor. Um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu sichern, muss auch ihnen entgegen der Monopolstellung weniger Datenkonzerne ein sicherer Zugang zu relevanten Daten ermöglicht werden.

Das Konzept zielt auf ein freieres Teilen von Daten ab, selbstverständlich gemäß der Datensouveränität im Willen des Bürgers. Dabei wird auch von konditioniertem Teilen von Daten gesprochen, wobei man den Individuen Anreize für das Teilen ihrer Daten schafft. Solche Anreize könnten beispielsweise Informationen, verbesserte Services oder die Aussicht sein, mit der Überlassung der eigenen Daten positive soziale Effekte zu ermöglichen. Ein Beispiel für ein erstes Projekt ist die Gesundheitscloud, in der Nutzer mit dem freiwilligen Teilen ihrer Gesundheitsdaten zur Entwicklung neuer Behandlungsformen und besserer Gesundheitslösungen beitragen können.

Die einstige Forderung nach Datensparsamkeit steht diesem ambitionierten Ziel in Zeiten von Facebook, Google und Big Data entgegen, weshalb einer der zentralen Aspekte sein sollte, dem Datenschutz auf dem Weg zur Demokratisierung der Daten ein neues Verständnis zu geben.

Quelle: It’s my data